Worum es geht

Kinder spielen auf einer Quartierstrasse mit Tempo-20, einer Begegnungszone. (Copyright Nina Schweizer)

Was bedeutet nachhaltige Entwicklung?

„Nachhaltig ist eine Entwicklung, wenn sie gewährleistet, dass die Bedürfnisse der heutigen Generation befriedigt werden, ohne die Möglichkeit künftiger Generationen zur Befriedigung ihrer eigenen Bedürfnisse zu beeinträchtigen“ (UNO Brundtland Bericht, 1987).

Diese Definition stammt aus dem Jahr 1987 und hat heute noch Gültigkeit. Sie bildet die Basis für sämtliche Abkommen und Arbeiten im Bereich der nachhaltigen Entwicklung auf internationaler und nationaler Ebene. Seitdem hat sich der Nachhaltigkeitsdiskurs weiterentwickelt. Um eine nachhaltige Entwicklung gemäss dieser Definition umzusetzen, stützte man sich früher auf die drei Säulen Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt. Heute betrachtet man nachhaltige Entwicklung ganzheitlich. Und nachhaltige Entwicklung ist keine Zusatzaufgabe, sondern integrierter Bestandteil sämtlichen Handelns. Dabei werden alle Politikbereiche und deren Wechselwirkungen berücksichtigt. Dies entspricht den aktuellen Entwicklungen auf nationaler und internationaler Ebene.

Im September 2015 verabschiedete die UNO die Agenda 2030 für eine nachhaltige Entwicklung. Die Agenda 2030 verkörpert den ganzheitlichen Ansatz. Als globales Konzept gilt sie für alle Länder. Die Umsetzung von nachhaltiger Entwicklung geschieht aber auf der lokalen Ebene. Deshalb hat die Kantons- und Stadtentwicklung die globale Agenda 2030 auf die lokalen Gegebenheiten des Kantons Basel-Stadt übersetzt.

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Was heisst nachhaltige Entwicklung für den Kanton Basel-Stadt?

Die Verfassung des Kantons Basel-Stadt beschreibt nachhaltige Entwicklung in den Leitlinien staatlichen Handelns (§15). Dabei handelt es sich um ein ganzheitliches Verständnis. Auf dieser Basis konnte die Kantons- und Stadtentwicklung mit Hilfe wissenschaftlicher Erkenntnisse die globale Agenda 2030 an die lokalen Gegebenheiten adaptieren. Dieses ganzheitliche Verständnis nachhaltiger Entwicklung entspricht somit dem aktuellen Nachhaltigkeitsdiskurs.

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Kantonsverfassung Basel-Stadt § 15 Leitlinien staatlichen Handelns

Mit dem Paragraf 15 der Kantonsverfassung verfügt Basel-Stadt über einen ganzheitlichen Nachhaltigkeitsansatz.

§ 15 Leitlinien staatlichen Handelns

  1. Der Staat orientiert sich bei der Erfüllung seiner Aufgaben an den Bedürfnissen und am Wohlergehen der Bevölkerung. Er berücksichtigt dabei die Würde, die Persönlichkeit und die Eigenverantwortung des einzelnen Menschen.
  2. Er wirkt auf die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen und auf eine nachhaltige Entwicklung hin, die den Bedürfnissen der gegenwärtigen Generation entspricht, aber zugleich die ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Bedürfnisse künftiger Generationen und ihre Möglichkeiten nicht gefährdet, ihre eigene Lebensweise zu wählen.
  3. Er sorgt für Chancengleichheit und fördert die kulturelle Vielfalt, die Integration und die Gleichberechtigung in der Bevölkerung sowie die wirtschaftliche Entfaltung.

Mit § 15 ist die Umsetzungsverantwortung für nachhaltige Entwicklung in der Verfassung des Kantons Basel-Stadt zugewiesen. Nachhaltige Entwicklung als Leitlinie staatlichen Handelns ist generell integrierter Bestandteil der staatlichen Aufgabenerfüllung. Die Bedürfnisse und das Wohlergehen der Bevölkerung stehen dabei im Zentrum. Heutige als auch künftige Generationen sollen die Möglichkeit haben, ihre eigene Lebensweise zu wählen – allerdings ohne andere dadurch einzuschränken. Kurz: Es geht um die Lebensqualität der gesamten Bevölkerung, heute und in Zukunft.

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Ganzheitliches Verständnis einer nachhaltigen Entwicklung

Die folgenden sechs Bereiche lassen sich aus der Kantonsverfassung (§ 15) ableiten:

Diese sechs Bereiche sind eng verknüpft und beeinflussen sich gegenseitig auf vielfältige Weise. Sie sind nicht per se nachhaltig. Der Kanton Basel-Stadt entwickelt sich nachhaltig, wenn diese sechs Bereiche dazu beitragen:

… die heutige Lebensqualität zu erhalten bzw. zu verbessern - also die natürlichen, sozialen, finanziellen, sowie Sach- und Human-Ressourcen, welche zusammen die heutige Lebensqualität ausmachen.

… die Handlungsfähigkeit der Gesellschaft zu ermöglichen – also die Möglichkeit zur Anpassung der Gesellschaft an veränderte Lebensbedingungen.

… die generationenbezogene Gerechtigkeit zu gewährleisten – also wenn alle Menschen mit ihrer Lebensweise andere in ihrer Lebensweise nicht beeinträchtigen. Diese Gerechtigkeit ist sowohl zwischen allen heute lebenden Menschen zu gewährleisten als auch zwischen den heutigen und zukünftigen Generationen.

Kreislauf mit den Elementen des ganzheitlichen Ansatzes
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Alle Politikbereiche tragen zu einer nachhaltigen Entwicklung des Kantons Basel-Stadt bei.

Inwiefern Strategien, Projekte und Massnahmen zu einer nachhaltigen Entwicklung des Kantons Basel-Stadt beitragen bzw. unter welchen Bedingungen sie das tun, ist Gegenstand einer ganzheitlichen Denk- und Arbeitsweise. Unterstützung bietet die systematische Übersicht, welche für die verschiedenen Bereiche die Struktur abbilden, auf welcher das ganzheitliche Verständnis nachhaltiger Entwicklung im Kanton Basel-Stadt gründet.

Systematische Übersicht des Nachhaltigkeitsverständnis für Basel-Stadt (PDF, 1.5 MB)

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Was heisst nachhaltige Entwicklung konkret? Ein paar Beispiele:

In Quartieren, in denen Arbeitsorte, Einkaufsmöglichkeiten, Kinderbetreuungsstätten, Freizeitangebote und Wohnraum nahe beieinander liegen, können die Bewohnenden all diese Orte rasch erreichen. Die kurzen Wege legen sie zu Fuss oder per Velo zurück. Eine gute Anbindung an den öffentlichen Verkehr sowie Park&Ride-Einrichtungen und Car-Sharing-Angebote stärken eine nachhaltige Mobilität. Die Bewohnenden sind dadurch reduzierten Verkehrs- und Luftemissionen ausgesetzt, zugleich steht ihnen mehr öffentlicher Raum zur Verfügung. Das Wohnumfeld gewinnt dadurch an Attraktivität.

Wohnungen werden kleiner gebaut als noch vor ein paar Jahren, beinhalten dafür Gemeinschafts- und Begegnungsräume. Die Bewohnenden kennen sich untereinander, Nachbarschaftsbeziehungen verstärken sich. Solche auf Freiwilligkeit basierten Lebens- und Arbeitsmodelle fördern den sozialen Zusammenhalt, vermindern den Ressourcen- und Energieverbrauch und lohnen sich wirtschaftlich.

Weitere Beispiele

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Warum eine nachhaltige Entwicklung?

Damit alle Menschen einen so hohen Ressourcenverbrauch wie wir in der Schweiz haben könnten, müssten uns global die Ressourcen dreier Erden zur Verfügung stehen. Die Übernutzung von natürlichen Ressourcen führt zu Klimaveränderungen, Wassermangel, Biodiversitätsverlust, Bodenerosion oder Migration und sozialen Unruhen. Nur ein bewusster Umgang mit den natürlichen Ressourcen kann die Lebensqualität in der Schweiz und auf unserem Planeten langfristig sichern.

Nachhaltige Entwicklung ist sowohl auf Bundes- als auch auf Kantonsebene als Staatsziel in der Verfassung verankert. Der Staat soll demgemäss auf eine nachhaltige Entwicklung hinwirken (Verfassung des Kantons Basel-Stadt, § 15).

Man sieht drei Planeten Erde.
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Wenn alle so leben würden wie wir in der Schweiz, bräuchten wir 3 Planeten.

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