Grundlagen

Blick auf das Münster in Basel aus der Vogelperspektive

Der Staat achtet die religiösen Überzeugungen und die freie Religionsausübung und hat Eingriffe in diese zu unterlassen (Art. 15 BV), solange dadurch nicht die Grundrechte Dritter verletzt werden (Unterlassungspflicht). Neben dieser Unterlassungspflicht ist es Aufgabe des Staates, für die Einhaltung des religiösen Friedens und für die Gewährleistung der Glaubens- und Gewissensfreiheit im Rahmen der geltenden Rechtsordnung zu sorgen (Schutzpflicht). Bund und Kantone können zudem friedenssichernde Massnahmen ergreifen. Die Kantone sind zuständig für die Regelung des Verhältnisses zu den einzelnen Religionsgemeinschaften.
Rund ein Drittel der Basler Bevölkerung ist Mitglied einer der vier Gemeinschaften mit öffentlich-rechtlicher Anerkennung:

• die Evangelisch-reformierte Kirche
• die Römisch-katholische Kirche
• die Christkatholische Kirche
• die Israelitische Gemeinde Basel

Der Grosse Rat hat gemäss § 133 der Kantonsverfassung drei kleine Religions-gemeinschaften kantonal anerkannt:

• Christengemeinschaft
• Neuapostolische Kirche
• Alevitische Gemeinschaft Basel-Stadt

Die kantonal anerkannten Religionsgemeinschaften sind weiterhin privatrechtlich organisiert, wie die übrigen religiösen Vereine und Stiftungen. 

Die Mehrheit der Basler Bevölkerung (rund 44%) ist jedoch nicht Mitglied in einer institutionellen und/oder anerkannten Religionsgemeinschaft. Dennoch bedeutet dies nicht, dass all diese Personen nicht religiös sind. Stattdessen hat sich die Religionslandschaft in der Moderne individualisiert, vervielfältigt und auf verschiedene religiöse, spirituelle oder weltanschauliche Angebote verteilt. Diese Situation gilt es im Blick zu haben, wenn über religionsbezogene Fragen diskutiert wird.

Koordination für Religionsfragen

Der Kanton Basel-Stadt richtete 2009 eine Koordination für Religionsfragen ein. Die Koordination für Religionsfragen arbeitet in beratender Funktion an der Schnittstelle von Verwaltung, Politik, Religionsgemeinschaften und Bevölkerung. Sie hat die Aufgabe, religiöse Phänomene zu verstehen und in den gesellschaftlichen Rahmen einzuordnen, in enger Zusammenarbeit mit weiteren Fachpersonen wie der Forschungsstelle Recht und Religion der Universität Basel und dem Verein INFOREL Information Religion. Die Kontaktpflege mit einzelnen Religionsgemeinschaften und religiösen Dachverbänden ist zentral. Der Runde Tisch der Religionen beider Basel ist ein wertvolles Instrument für den Informationsaustausch, der auch präventiv wirkt.

Religiöse Vielfalt

Der religiösen Vielfalt mit Statistiken beizukommen ist schwierig und beruht jeweils auf einem vorgefassten Religionsverständnis. Die Datenbank INFOREL informiert auf ihrer Webseite über viele Gruppierungen in der Region Basel und bietet somit gute Erstinformationen.

Die Koordination für Religionsfragen selbst zählt in den beiden Basel  rund 250 Religionsgemeinschaften und Kirchgemeinden. Unter diesen Religionsgemeinschaften sind ungefähr 150 christlich, 20 muslimisch, 3 jüdisch, 1 hinduistisch, 8 buddhistisch und 36 gehören zu neueren religiösen Bewegungen.

Bereits 44,7 Prozent der Basler Bevölkerung haben keine institutionelle Religionszugehörigkeit. Die Mehrheit dieser ‚Konfessionslosen‘ ist aus einer der grossen Kirchen ausgetreten, wobei sich viele nach wie vor als christlich geprägt verstehen, jedoch ihre Religiosität oder Spiritualität meist jenseits der Kirchen ausleben.

Somit leben Menschen mit unterschiedlichen Religionszugehörigkeiten und Glaubensansichten in Basel zusammen. Diese zunehmende Multireligiosität ist eine Chance aber auch eine Herausforderung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Unwissen und Missverständnisse über andere Religionen können zu Polarisierungen führen. Deshalb setzt sich der Kanton sachlich, präventiv und integrativ mit religionsbezogenen Fragen auseinander. 

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