Wandmalerei im Gundeli

Der Kunstkredit Basel-Stadt

Der Kunstkredit Basel-Stadt fördert das regionale Kunstschaffen und hat das Ziel, die Wahrnehmung der zeitgenössischen Kunst in der Stadt Basel zu erhöhen. Neben Wettbewerben und Ankäufen für die Sammlung beinhaltet das jährliche Programm auch Initiativen wie den Basler Kunstpreis und Schwerpunkte wie die Förderung von Performancekunst.

Wandmalerei im Gundeli

Mit der Initiative «Wandmalerei im Gundeli» realisiert der Kunstkredit Basel-Stadt Projekte zur künstlerischen Gestaltung prominenter Hausfassaden im Gundeli. Die Projekte finden im Rahmen der integralen Stadtentwicklung Gundeli Plus und in Zusammenarbeit mit der Kantons- und Stadtentwicklung des Präsidialdepartements und mit dem Bereich Städtebau & Architektur des Bau- und Verkehrsdepartements statt.

Aktueller Wettbewerb

Im neusten Projekt wurde über die Fassade des Eckhauses Margarethenstrasse/Gundeldingerstrasse abgestimmt. Quartierbewohnerinnen und -bewohner waren eingeladen, aus verschiedenen Gestaltungsvorschlägen auszuwählen. Diese erarbeiteten Künstlerinnen und Künstler  im Rahmen eines öffentlichen Wettbewerbs. Eine Jury erhob fünf Vorschläge in die engere Auswahl.

Es konnte per E-Voting, brieflich oder direkt an der Wahlurne im Rahmen der Forumsveranstaltung vom 1. März 2018 abstimmt werden. Die öffentliche Wahl war eine von vier Quartierstimmen in der Jury mit insgesamt neun Stimmen.

Sehr erfreulich war die hohe Beteiligung, insgesamt wurden 1378 Stimmen abgegeben: Die meisten Voten erhielt das Projekt von Geneviève Morin, gefolgt von Jan Kiefer, Guido Nussbaum, Boris Rebetez und dem Kollektiv ÜBR.

Die Jury hat das Projekt von Guido Nussbaum Hybris-Helix Basiliensis ausgewählt. Eingeweiht wurde die Wandgestaltung im Juni 2018.

Hybris-Helix Basiliensis zeigt in ihrem unteren Teil Basler Architekturen in der Tradition der Vedute. In Nussbaums zeitgenössischer Version einer Stadtansicht klingen surreale und postmoderne Tendenzen der Malerei an. Der Vorschlag nimmt mit einem Augenzwinkern Bezug auf die Wahrzeichen der zeitgenössischen Basler Architektur. Das Gemälde ist farblich zurückhaltend und verbindet sich gelungen mit seiner unmittelbaren Umgebung. Der Vorschlag des im Gundeli ansässigen Malers weist vielfältige Referenzen an die Kunst und die Malerei auf. Gleichzeitig schafft es explizit einen örtlichen Zusammenhang.

Den ausführlichen Jurybericht finden Sie unter weitere Informationen.

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Jan Kiefer sprangen unterschiedlich farbige Schilder in Eingängen von Hochhäusern ins Auge, die stilisierte Treppen zeigen. Würden diese Schilder aneinandergereiht, ergäbe sich ein Auf und Ab oder ein Ja und Nein. Daraus leitet er den Titel seiner Wandmalerei ab: JaJaJaJaJaNeinNeinNeinNeinNein. Der Titel erinnert an die 1968 von Joseph Beuys in der Kunstakademie Düsseldorf aufgeführte Performance "Ja, Ja, Ja, Ja, Ja, Nee, Nee, Nee, Nee, Nee". Das einstündige, mantraartige Wiederholen der immer gleichen Begriffe erzeugte damals bei den Zuhörern eine hypnotische Wirkung, die den Kopf aus der Ambivalenz von Ja und Nein erlöste.

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Geneviève Morin entwirft ein Totem aus gestisch gemalten Symbolen. Dieses versinnbildlicht eine mythisch-verwandtschaftliche Verbindung zwischen den Bewohnerinnen und Bewohner des Gundeldingerquartiers und Lebewesen, die in der nahen Umgebung vorkommen. Für die Verwurzelung im Quartier stehen Pflanzen im Margarethenpark. Weisheit und Erfahrung verkörpert ein wildes Tier aus dem Zolli. Ein Mensch repräsentiert Nachbarschaften. Ein Hund stellt Vertrauen dar und ein auffliegender Vogel verweist auf Freiheit und Spiritualität.

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Hybris-Helix Basiliensis von Guido Nussbaum zeigt im unteren Teil Basler Architekturen in der Tradition der Vedute. Über die Hochhäuser erhebt sich ein immenser Korkenzieher, der den 2006 von den Architekten Herzog & de Meuron präsentierten Entwurf des Roche-Turms persifliert. Gemäss diesem hätte sich eine 154 Meter hohe Spirale tänzerisch in den Himmel geschraubt. Elegant und spektakulär. Viele erkannten darin die Struktur einer DNA-Doppelhelix und damit den Bezug zur Pharmaindustrie und zur Stadt. Gebaut wurde von 2012 bis 2015 schlussendlich ein 178 Meter hohes „Sägeblatt“, eine „unvollendete Pyramide“, die seither für manche Basler die Grössenverhältnisse in der Stadt in Schieflage bringt.

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Die Wandmalerei Sechster Himmel von Boris Rebetez ist ein Schattenriss einer Aussenspindeltreppe. Ihre Proportionen nehmen Bezug auf die Stockwerke des Gebäudes und damit auf die Grösse des menschlichen Körpers. Eckige und runde Formen erzeugen eine Dynamik, die den Blick nach oben führt. Diese Bewegung nimmt Bezug auf die nahe Umgebung: Rechts des Gebäudes führt ein steiler Weg hoch zum Landgut St. Margarethen und zur Margarethenkirche, deren Grundsteine im 10. Jahrhundert gelegt wurden. Von dort schweift der Blick bis zu den Schwesterkirchen St. Ottilien in Tüllingen und St. Chrischona oberhalb von Bettingen.

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Türen und Tore gibt es, seit Menschen sich Häuser und Städte bauen. Offene Türen laden zum Eintreten ein. Verschlossene Türen verstecken Geheimnisse. Die illusionistische Wandmalerei Gundeldinger Schloss der Künstlergruppe ÜBR markiert eine Pforte zum Gundeldingerquartier. Das messingfarbene, verzierte Aussenschild eines Türschlosses erstreckt sich über die ganze Höhe der Fassade und ist scheinbar auf einen hölzernen Untergrund gesprayt. Im Dunkel des Schlüssellochs leuchtet eine Kerze. Das Haus mit Schloss ist Metapher für ein Quartier, das ein Zuhause sein will.

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Vergangene Wettbewerbe

Foto: Serge Hasenböhler

Clare Kenny, «Site Unseen» (2016)

Anfang 2016 diskutierten die Quartierbewohnerinnen und -bewohner unter dem Veranstaltungsmotto «Beeinflussen Sie die Jury» im Rahmen eines Wettbewerbs über die Wahl eines Wandgemäldes an der Ecke Gundeldingerstrasse/Achilles Bischoff-Strasse. Ausgewählt wurde ein Werk der Künstlerin Clare Kenny. Das Wandbild setzt heute eine künstlerische Landmarke im Quartier.

 

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