Grundlagen

Der Staat achtet die religiösen Überzeugungen und die freie Religionsausübung und hat Eingriffe in diese zu unterlassen (Art. 15 BV), solange dadurch nicht die Grundrechte Dritter verletzt werden (Unterlassungspflicht). Neben dieser Unterlassungspflicht ist es Aufgabe des Staates, für die Einhaltung des religiösen Friedens und für die Gewährleistung der Glaubens- und Gewissensfreiheit im Rahmen der geltenden Rechtsordnung zu sorgen (Schutzpflicht). Bund und Kantone können zudem friedenssichernde Massnahmen ergreifen. Die Kantone sind zuständig für die Regelung des Verhältnisses zu den einzelnen Religionsgemeinschaften.

Rund ein Drittel der Basler Bevölkerung ist Mitglied einer der vier Gemeinschaften mit öffentlich-rechtlicher Anerkennung, namentlich der Evangelisch-reformierten Kirche, der Römisch-katholischen Kirche, der Christkatholischen Kirche oder der Israelitischen Gemeinde Basel.

Der Grosse Rat hat gemäss § 133 der Kantonsverfassung vier Religions-gemeinschaften kantonal anerkannt: die Christengemeinschaft, die Neuapostolische Kirche, die Alevitische Gemeinschaft Basel-Stadt und die Evangelisch-Lutherische Kirche Basel und Nordwestschweiz. Die kantonal anerkannten Religionsgemeinschaften sind weiterhin privatrechtlich organisiert, wie die übrigen religiösen Vereine und Stiftungen. 

Koordination für Religionsfragen

Der Kanton Basel-Stadt richtete 2009 eine Koordination für Religionsfragen ein. Die Koordination für Religionsfragen arbeitet in beratender Funktion an der Schnittstelle von Verwaltung, Politik, Religionsgemeinschaften und Bevölkerung. Sie hat die Aufgabe, religiöse Phänomene zu verstehen und in den gesellschaftlichen Rahmen einzuordnen, in enger Zusammenarbeit mit weiteren Partnerinnen und Partnern. Die Kontaktpflege mit einzelnen Religionsgemeinschaften und religiösen Dachverbänden ist zentral. Der Runde Tisch der Religionen beider Basel, der von der Koordinationsstelle für Religionsfragen geleitet wird, ist ein wertvolles Instrument für den Informationsaustausch, der religionsbezogene Themen aus dem Alltag der Bevölkerung angeht.

Religiöse Vielfalt

Die religiöse Landschaft statistisch zu erfassen ist schwierig und beruht jeweils auf einem vorgefassten Religionsverständnis. Die Koordination für Religionsfragen zählt in Partnerschaft mit der Datenbank INFOREL in den beiden Basel rund 250 Religionsgemeinschaften und Kirchgemeinden. Unter diesen sind ungefähr 150 christlich, 20 muslimisch, 3 jüdisch, 1 hinduistisch, 8 buddhistisch und 36 gehören zu neueren religiösen Bewegungen.

Fast die Hälfte (gut 47%) der Basler Bevölkerung ist nicht Mitglied in einer institutionellen und/oder anerkannten Religionsgemeinschaft. Das bedeutet aber nicht, dass diese Personen nicht religiös sind. Stattdessen hat sich die Religionslandschaft in der Moderne individualisiert, vervielfältigt und auf verschiedene religiöse, spirituelle oder weltanschauliche Angebote verteilt. Diese Situation gilt es im Blick zu haben, wenn über religionsbezogene Fragen diskutiert wird. Der Kanton Basel-Stadt setzt sich sachlich, präventiv und integrativ mit religionsbezogenen Fragen auseinander und stellt sich den Chancen und Herausforderungen, die durch die zunehmende Multireligiosität entstehen.

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